Unbeirrt

Auf einmal war dieses Wort im Kopf: Unbeirrt. Ich dachte über ein Vorhaben nach, über die Ziele meines Schreibens und die Zweifel, die mich seit jeher begleiten.

Unbeirrt. Das Wort klingt nach Stärke. Es verspricht Konsequenz und Ausdauer. Unbeirrt aus Trotz, das auch. Oder weil da Angst ist, die geleugnet wird? Macht ein Zuviel von Unbeirrt blind? Statisch? Rücksichtslos? Erhaben über jeden Zweifel verfolgt er seine Ziele. Von wegen! Der Künstler nicht. Sein Brot heißt Zweifeln, heißt stetiges hadern und manisches Suchen. Nur im Zweifeln ist er unbeirrt und somit in seiner Kunst, aus dem Chaos zur Form zu kommen.

Mein Zweifeln ist wie eine paradoxe Narbe, die nicht heilt. Ich könnte Synapsen damit beschriften. Mein Zweifeln ist ein kindliches, das zwischen Entweder und Oder keinen Halt findet, stattdessen plötzlich durchdreht wie eine gefangene Flipperkugel. Der Zweifel ist der Bruder der Zerrissenheit. Zerrissenheit, die Fluch und Segen zugleich ist. Manchmal zuviel Fluch für mich. Dann wünsche ich mir unbeirrtes Dabeibleiben in Treue zu mir selbst und zu dem, was in Wort und Satz entsteht und Geduld und Ausdauer braucht. Aber wer weiss, der Sinn  des Beirrtseins erschliesst sich nicht selten erst sehr spät, erst nach vielen Verwerfungen. Erst, wenn ich dabeigeblieben bin, trotz aller Kämpfe und Krämpfe. Zumindest das, das weiss ich.

© Juli 2020 by Wandelkern   Lesermail

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